Team Dr. Love - Frage vom 7. Februar 2017

Frage: "Mundgeruch der Partnerin vergällt Lust auf Sex - Was tun?"

Liebes Dr. Love Team,

ich hoffe, ihr findet mich nicht verrückt, aber ich habe ein großes Problem. Ich lebe schon seit einiger Zeit in einer lesbischen Beziehung, jetzt drängt meine Freundin darauf, zusammenzuziehen, das hatten wir uns vorgenommen. Ich liebe meine Freundin und finde sie nach wie vor eine tolle Frau, schön, intelligent und witzig, aber in letzter Zeit verliere ich mehr und mehr die Lust zum Sex mit ihr, denn sie hat oft einen fiesen Mundgeruch. Und ich habe einen extrem empfindlichen Geruchssinn. Als wir uns kennen gelernt haben, war das nicht so, oder jedenfalls fiel es mir nicht auf, aber seit es mir auffällt, leide ich darunter. Vor allem in der Zeit um den Eisprung, wenn alle Sinne geschärft sind, meinem Gefühl nach. Ich weiß nicht, woher er kommt, manchmal riecht man es ja direkt, Nikotin, Alkohol, Knoblauch oder Karies, aber das ist es alles nicht. Kaugummis und Bonbons mag sie nicht.

Und ich traue mich nicht, es anzusprechen, es ist mir so peinlich, dass ich noch nie mit jemandem darüber gesprochen und sogar lange gezögert habe, es überhaupt irgendwo rauszulassen; hier geht das nur dank der Anonymität.

Ich traue mich auch deshalb nicht, mit ihr darüber zu sprechen, weil sie sehr sensibel ist; das hätte ich vielleicht gleich machen müssen, jetzt würde sie mir auch noch sehr übel nehmen, dass ich es jetzt erst sage. Vielleicht würde sie sich sogar trennen. Und weggehen würde der Geruch davon schließlich auch nicht. Aber er verleidet mir alles, auch das küssen, (obwohl sie schön küsst und wir früher stundenlang knutschen konnten,) weil ich immer schon ein bisschen Angst habe, dieser Geruch könnte wieder da sein. Ich kenne ihn inzwischen so gut, dass ein Hauch genügt, damit ich ihn in der Nase habe und schlechter Laune werde. Bin ich da überempfindlich? Kann ich meinen Geruchssinn irgendwie entschärfen oder ausschalten? Anderen Leuten scheint es nicht aufzufallen. Kann ich da mit ihr zusammenziehen? Ich will mit ihr zusammenbleiben. Was kann ich machen?


Mathias Miklaw anwortet:

Hallo liebe Schreiberin,

aus dem was Du schreibst, vor allem aus dem Umstand, dass Du und Deine Freundin zusammen ziehen wollt, schließe ich, dass Eure Beziehung eine bestimmte Ernsthaftigkeit und Verbindlichkeit hat und auf eine Zukunftsperspektive ausgerichtet ist. Um eine solche Beziehung führen zu können, bedarf es nach meiner Erfahrung bestimmter Fähigkeiten, die beide Partner entweder mitbringen oder sich aneignen müssen. Eine dieser Fähigkeiten ist es, einen offene, vertrauensvolle, wohlwollende Kommunikation herbei führen zu können - vor allem und gerade auch über heikle Themen.

Mit anderen Worten und direkt auf den Punkt gebracht: Es wird Dir nichts anderes übrig bleiben als Deine Freundin auf das anzusprechen was Dich stört und von ihr fern hält, auf ihren Mundgeruch.

Ich glaube Dir wirklich wie peinlich und schwierig es für Dich ist, mit deiner Freundin auf dieses Thema zu sprechen zu kommen. Und dennoch hast Du Dich überwinden können, den ersten Schritt zu tun und an Dr. Love zu schreiben, weil Du innerlich ja genau weißt, dass es ganz schön verrückt wäre an so einem eigentlich banalen Thema eine schöne Liebesbeziehung scheitern zu lassen.

Deine Freundin merkt ja selbst, dass Du Dich ihr gegenüber zurückhaltender benimmst und ihr weniger Sex habt. Sie wird sich Ihre eigenen Gedanken dazu machen woran das liegt und sich möglicherweise auch nicht trauen, Dich darauf anzusprechen - genau wie Du aus falsch verstandener Rücksichtnahme. So kommt ihr sehr stark in die Gefahr, Euch zwei unterschiedliche "Lebensblasen" zu kreieren, die durch immer weniger echten und wahrhaftigen Austausch miteinander verbunden sind. Das wäre keine gute Zukunftsperspektive für Euch beide.

Ich glaube, dass Du eigentlich genau weißt und einsiehst, dass es keinen anderen Weg gibt, als Deine Freundin auf dieses schwierige Thema anzusprechen, auch wenn Du noch sehr große Hemmungen hast, dieses tatsächlich in die Tat umzusetzen.

Vielleicht können Dir abschließend die folgenden drei Gedanken helfen, diese Hemmungen zu überwinden:

1. Du tust Euch beiden - also auch Deiner Freundin, einen großen Gefallen, ihr etwas mitzuteilen, was sie selbst nicht erkennen kann. Etwas zugespitzt könnte man sagen, es gehört zu Deinen "partnerschaftlichen Pflichten" , sie liebevoll auf etwas aufmerksam zu machen, was sie selbst nicht erkennen kann und was Ihr und Euch schaden kann. Oder wie fändest Du es, wenn sie Dich einfach mit Mundgeruch durch die Gegend laufen ließe, ohne Dir etwas zu sagen?

2. Wenn Ihr zusammen wohnt, wird es früher oder später noch mehr Dinge geben, die Dich an Ihr und sie an Dir stören. Das ist absolut normal - nur in Hollywoodfilmen gibt es sowas nicht! Es ist also sehr beziehungs-weise bei Zeiten eine Kommunikationskultur zu installieren, in der es ebenso normal ist den Partner in liebevoller, vorwurfsfreier Weise auf diese Dinge anzusprechen. Das aktuelle Thema ist ein gutes Übungsfeld dafür.

3. Apropos Übung: Sieh das Ganze nicht als Katastrophe sondern als Übung, etwas zu lernen, was Dir bisher noch schwer fällt, Dir aber auf dem Weg zu einem zufriedenen Leben sehr hilfreich sein wird. Nämlich zu Dir, Deinen Wünschen und Grenzen zu stehen und diese anderen selbstbewusst und respektvoll mitzuteilen.

Vielleicht hat meine Antwort etwas in Bewegung gebracht? Das würde mich freuen

Mathias Miklaw
www.beziehungsberatung.berlin


Ramos Strzygowski meint:

Hallo Unbekannte,

meine Antwort: Kenn ich. Du mußt es ihr unbedingt sagen! ... weil der Andere es nämlich nicht merkt.
Und: wenn ihr so richtige Freundinnnen seid, dann wäre es doch peinlich, wenn sich eure Beziehung an einer unbemerkten Zahnfleischentzündung aufraucht.

Du schaffst das, und es wird sich lohnen!

Herzliche Grüße
Ramos
www.Liebesschule.de

PS: Mein Tip: mit Entzündungshemmenden Mitteln gurgeln bringt total viel. Bei mir war eine Entzündung am Zahnfleisch hinter dem letzten Backenzahn, da kommt keiner drauf ... und es hat nicht gut gerochen. Und es wurde mir (Gott sei Dank) von meiner damaligen Freundin gesagt....

 

Duo Wolfsmond sagt:

Liebe Fragende,
wir glauben, dass es unumgänglich ist, dass du deiner Freundin von deinem Problem mit ihrem Mundgeruch erzählst. Und dass du ihr im selben Moment mitteilst, welche Ängste dieses Mitteilen bei dir auslöst, dass du Angst hast, dass sie dich verlässt z.b.
Für eine authentische und lebendige Beziehung ist es aus unserer Sicht existentiell wichtig, sich wirklich mit dem mitzuteilen, was in uns ist. Je näher und enger unsere Beziehungen sind, umso mehr Ängste werden dabei jedoch manchmal ausgelöst. Dies sind oft alte Ängste, die aus unserer Kindheit stammen, und die wir erst in dem Moment überprüfen können, wenn wir sie wirklich aussprechen.

Desweiteren erscheint es uns wichtig, zwischen Annahmen, Befürchtungen und der Realität klar zu unterscheiden. Es ist erst einmal nur eine Annahme, eine Befürchtung, dass deine Freundin es nicht aushält, wenn Du Dich ihr mitteilst. Du weißt gar nicht, ob es wirklich so kommen wird.
Manchmal sind unsere Befürchtungen so stark, dass wir sie für Realität halten, lange bevor sie eingetreten sind. Und dadurch, dass wir so stark an sie glauben, werden sie auch immer mehr zur Realität.

Vielleicht könnte es dir ja helfen, mit deiner Freundin ein Zwiegespräch zu führen. Eine von euch beiden redet drei bis fünf Minuten, dabei spricht sie von sich. Die andere hört aktiv zu, danach wird gewechselt. Das macht ihr mehrfach, solange, bis ihr das Gefühl habt, es ist alles ausgesprochen.
Für ein Zwiegespräch ist es wichtig, sich einen entspannten ungestörten Rahmen zu schaffen, z.b. die Telefone dabei auszustellen, und sich während des Gespräches in die Augen zu schauen.

Aber die beste Nachricht sei zum Schluss diese: Unsere Erfahrung zeigt, Mundgerüche kommen und gehen! Sie sind oft nur eine Begleiterscheinung für eine bestimmte Lebensphase. Es ist nicht mal unwahrscheinlich, dass er durch die Aussprache und das Zusammenziehen "geheilt" wird.

Alles Gute!
Chono und Tandana
Duo Wolfsmond - Creative Tantra Events - kontakt@duo-wolfsmond.de

 

Thomas Beutler antwortet:

Hallo Liebende

Schön, das du dich hier zeigst. Ich hoffe dieser Schritt hat auch dir gut getan, dies teilen zu können und nicht mehr für dich versteckt zu behalten zu müssen. Vielleicht hat dies ja auch schon dazu geführt, das du mit deiner Freundin damit auch in den Kontakt gegangen bist?

Verrückt wirkst du nicht auf mich, verrückt ist manchmal nur unsere Verhalten. Wo wir der Peinlichkeit so viel Raum/Macht einräumen, dass sie unsere Beziehungen kaputt macht. Wir unsere Liebe nicht mehr real in die Welt holen können.

Wenn Menschen sich nicht riechen können, ist eine wahrhaftige Beziehung nicht möglich. Die Beziehung flacht ab oder geht auseinander. Sehr wahrscheinlich hat sie (du schreibst ja sie sei sehr sensibel) auch schon gemerkt, dass sich etwas verändert hat, ihr weniger Sex/küssen miteinander habt. Doch beide scheint ihr darin gefangen zu sein, dies nicht mit dem anderen ansprechen zu können/dürfen.

Hier braucht es nun den Mut mindestens einer Beteiligten dies anzugehen. Einen Raum zu schaffen, wo möglichst vorwurfsfrei das Thema auf den Tisch kommt. Wenn ihr euch dies zu zweit nicht gut vorstellen könnt, ja gerne auch mit Unterstützung eine guten Freundin, der ihr beide vertraut und die den Raum für eueren Austausch hält/moderiert.

Antrieb für dich zu diesem Mutschritt könnte sein, deine Sehnsucht sie küssen zu wollen, mit ihr Sex haben zu können und dein Wunsch mit ihr zusammen bleiben zu wollen.

Hilfreich könnte dabei für dich sein deine Angst, das der Geruch da sein könnte anzuschauen und loszulassen (damit nicht unnötiger Abstand, Selbsterfüllungsprognose) und als Spiegel für sie auch hinzufüllen/forschen, woher der Geruch den kommen könnte. Also von einem bestimmten Lebensmittel, was sie vielleicht nicht wirklich verträgt, einem Entzündungsprozess/Krankheit in ihrem Körper oder …

Wenn du diesen Mutweg gehst, kannst du dabei nur gewinnen. An Selbstwert, an Wissen und an einer intimeren Beziehung mit wieder der Möglichkeit an Küssen/Sex und nahe sein. Sollte die sich dabei wieder erwarten auflösen, wahr es wohl nie eine wahrhaftige Beziehung; sondern eher Projektion..

Thomas Beutler
Reise-ins-magische-ich@web.de

 

Lea sagt:

LeaMundgeruch ist ein Thema, dass mir am Herzen liegt, denn Menschen nicht riechen zu können, wenn es möglich wäre, das zu ändern, ist mehr als schade.

Ich kenne das so gut und es ist mir erst im Dezember so gegangen, mit jemandem Neues, dem ich nah kam.

Ich mache oft die Erfahrung, dass die Menschen dankbar sind, wenn sie darauf hingewiesen werden, vermutlich bist Du ja nicht die einzige, der es auffällt und die nicht weiss, wie sie es sagen soll. Es kann gesundheitliche Ursachen haben, die unbedingt abgeklärt werden sollten, Zähne, Zungengrund bakteriell belagert, Magenprobleme.

Oft erscheint der Mundgeruch, wenn die Speise aus dem Magen weitergeleitet wird und er leer ist. Dann hilft es, dem Betroffenen ein klein wenig zu essen zu geben (Stück Weissbrot oder Walnuss, nichts zuckerhaltiges) Oder es kann auf eine Milchzuckerunverträglichkeit hinweisen.

Ich halte folgenden Ansatz für sehr hilfreich:

Es gibt da ein Problem, dass ich gern gemeinsam mit Dir lösen möchte = Wir beide hier, dort das Problem oder Thema.

Nicht mit Angriff oder Abwehr oder Leiden (ich leide so darunter).

Nicht unbedingt sagen, dass es schon so lange ist.

Die Frage stellen: stellst Du manchmal bei mir fest, dass ich Mundgeruch habe? Ich merke das manchmal bei anderen Menschen (dass es schlimm ist, weg lassen) - in der Hoffnung, dass sie auf die Idee kommt, die umgekehrte Frage zu stellen. Vielleicht stellt sie es bei Dir ja auch manchmal fest?

Und dann einfach einen Code oder ein Ritual entwickeln, z.B. der anderen ein Stück Brot hinhalten oder sagen: kannst Du bitte eine Kleinigkeit essen?

So kommen nach meiner Erfahrung beide gut damit klar.

Viel Erfolg und Mut wünscht Dir
Lea
Heilpraktikerin und Sexberaterin
www.coachlea.de

 

Zur Startseite

"Team Dr. Love" ist eine Idee von Dietmar Schneider, Berlin, © 2017 - Die Rechte an den Texten liegen bei den AutorInnen, © 2017
Impressum Datenschutz